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20161124

#140




BONSOIR PARIS, BONSOIR NOUVELLE VIE ○
Das Pappkartonappartement in Victor Hugos Straße

war der Schock meines Lebens.
deshalb überspringen wir's einfach  und erzählen, was nachfolgend geschah, denn das war auch durchaus spannend.

Mit einer Mandarine aus Eriwan stehe ich hier vor dem imposanten A. A wie Anna. Noch nie habe ich ein so giganisches Eisenfräulein gesehen, hallo Eisenleuchtturm. Ehrlicherweise glaube ich nicht, dass diese in meiner Manteltasche aufbewahrte Mandarine aus Eriwan kommt. Der 46-jährige Finanzminister, der sie mir gerade schenkte, meint: ,,Hier eine Mandarine aus Eriwan vom Armen aus Armenien-leicht zu merken. Und beim Verzehren dieser Mandarine denkst du bitte immer an mich - mit jedem Stückchen und lächelst. Schön lächeln. Immer schön lächeln. Das Lächeln lächelt.'' Ist Armen aus Armenien überhaupt ein Finanzminister?

Der Eiffelturm am Trocadéro
ist so imposant. In voller Fülle hypnotisiert er dich samt seinen Wasserspiegelungen. Noch weiß ich nicht, dass dieser Dienstag ein sehr langer Dienstag sein wird. Und mir ist unpraktischerweise noch  nicht bewusst, dass ich in 30 Minuten den letzten Metropolitan verpasse, da ich an diesem Ort, an diesem einen Fixpunkt tatsächlich über eine halbe Stunde erstarrt stehen bleibe. In 2 Stunden werde ich einen Bus nocturne nehmen müssen, da ich feststelle, dass die gesamte Nacht, die ich aufbleiben muss voller Regen sein wird. Ich muss aufbleiben, da kein öffentliches Verkehrsmittel mehr fährt- hiermit gehen Grüße an das Eisenfräulein und an ihre hypnotischen Künste, die ein jedes menschliche Zeitempfinden ausradieren- und da ich nicht spontan 150 Euro Bargeld habe, um des Taxileinchens Wärme zu spüren, wandere ich eine bescheidene Hundegassistrecke. Dieser Bus bringt mich an folgenden Ort - vielleicht sollte ich anstatt den Ort zu benennen, den Busfahrer zitieren:

 ,,Ouais Mademoiselle you are in the middle of NOWHERE now, aloooors. Why have you done this? You are like in Paris l'Est but it's not Paris l'Est it's more a dangerous banlieu as Paris l'Est and whaaaaat you are living in Paris l'Ouest?  Donc Well that's the opposite, you know? Bon courage
 croissant croissant croissant.''

•••

Und so verbrachte das Annakind weitere 5 Stunden an diesem warmen angenehmen Dienstag/Dienstnacht - oder soll ich lieber Mittwoch sagen- in ''Paris'' oder wo auch immer. Es hat gegossen. Und immer wieder wurde ich angesprochen. Mir wurden warme Wohnungen angeboten von männlichen Verzweiflungsgesichtern, Käffchen als Dateoption oder sogar ein Regenschirm; immerhin. 
,,Gerne können wir gleich ein Käffchen in deiner Wohnung trinken. Nur nicht in diesem Leben und auch nicht im Nächsten oder Übernächsten oder Überüberüberüberüberüberunedlichkeitsnächsten.''

Man merkt sehr wohl, dass mit dem Schlafentzug auch der Wahnsinn an die Pforte klopfte und da Annuschka ein manchmal gastfreundliches Wesen ist (c'est-à-dire je nach Stimmung versteht sich), wurde Monsieur Wahnsinn aufgenommen und mit Tee aus Regentropfen beglückt an diesem einen Dienstag. Ausnahmsweise.
Die Lichtlinie oben schenkt dem Himmelraum der gesamten Kleinstadt Paris ihre Lebendigkeit der Höhe. Es ist eine strahlende Gerade, die das Eisenfräulein periodisch der Nachwelt zeigt wie als wolle sie beweisen, dass auch sie existiert und ihr Herz eben in Form dieser kontinuierlich erscheinenden Lichtlinie schlägt, in dem das Herz einen 360° Rundgang macht bis nach circa 18 Sekunden er deinen Kopf erreicht und dich auf seine Art begrüßt.

,,Anna was machst du da oben?' Hier spricht der Armen aus Armenien.'
,,Ich beobachte den Eifelturm und schreibe eine Geschichte''. 
Meine Antwort ist nicht gelogen. Mein grüner Stift fällt auf den Boden. Der Finanzminister erzählt mir urplötzlich, in welchem Hotelzimmer er wohnt. Ich zerquetsche seine Mandarine, die die ganze Zeit in meiner Manteltasche war. Der Saft tropft raus. Eine Ratte läuft vorbei. Dann zwei. Ich blicke nach vorn und warte auf den nächsten Strahl. Stille. 
♥ liebe Herbstgrüße
Annuschka 


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