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20161222

#143



Heute vor 365,25 Tagen war Dezember,
 22 mal wurden die Adventstürchen bereits
 geöffnet (wenn man ein geduldiges Kind war, 
aber welches verfressene Kind ist das schon)

Manchmal geschehen im Leben Dinge, 
die dich völlig überrumpeln und deine Zukunft umkrempeln und
 dein scheinbar starres Weltbild in einer Mikrowelle gierig anbrennen. 
Oft sind wenige Sekunden ausreichend für diesen Dominoumsturz,
 für dein abruptes Unvermögen Balance zu halten.
Manchmal liegt man dann urplötzlich einige wenige Stunden vor
 seiner eigenen Volljährigkeit in einem Lazarettbett und hat das erste Mal seit Jahren irgendwie 
ZEIT.

Zeit und sogar einen stillen sterilen Raum, 
um traurig zu sein und sich aufzufangen in Sekundenzeigern.
 Zeit für kleine Erkenntnisse. 
Zeit für Scham. Zeit, um die digitale Uhr anzustarren und ZEIT an sich nicht zu verstehen.
 Zeit, um sich auszunüchtern und weitere Dinge anzustarren wie seinen aufgeschlitzten Arm.
 Zeit sich selbst zu befragen wie in einem imaginären Interview.

Wie kam diese gigantische Armwunde überhaupt zustande
 (Tollpatschigkeit ist stets mein heimlicher Begleiter, aber das hier ist keine Tollpatschigkeit mehr)? 
Habe ich so exzessiv getanzt ? 
Wie stark wird mich die Narbe als vergängliches Überbleibsel verunstalten?
Wo blieben Kontrolltrieb und Besonnenheit?
Und warum darf ich noch weiterleben?
Werde ich mir über die Narbe eine Tätowierung stechen lassen als Verdeckung und Verdrängung?
Wie konnte ich so stark die Realität verzerren?
Was ist überhaupt die wirkliche Welt?
In welcher lebe ich? Und warum werde ich selbst in meinen beschwipsten Gedanken so möchtegern-philosophisch?
Und warum darf ich noch weiterleben?
  
 Und manchmal wünscht man sich im Nachhinein, diesen sterilen Raum auch als leerstehend und menschenlos bezeichnen zu dürfen. Irgendwann besucht dich dann doch deine Familie und du möchtest dich nicht erklären, weil du keine Worte findest für deinen Zustand.
Und heute erinnert man sich ein letztes Mal nun als 19 - jähriger Jungmensch an Jugenddummheiten mit einem leisen Schmunzeln. Vielleicht wird ja irgendwann ein herzliches Lachen daraus. Irgendwann bestimmt.


Grüße
Annetschka

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